Leseprobe

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Angekommen im eigenen Geschäft

Claudia Rämi und Martin Pullen gehört seit 2022 das Gartencenter Fricktal. Mit einem gut eingespielten Team und einem vielseitigen Sortiment punkten sie bei der Kundschaft. Eine mögliche Nachfolgerin gibt es auch schon.

Gross und doch klein: So umschreibt Floristin Claudia Rämi ihr Unternehmen am nördlichen Ortsrand von Frick AG. Unter den Gartencentern zählt es mit seinen  rund 5000 Quadratmetern zu den kleineren. Der gedeckte Aussenbereich, die Blumenboutique und der Arbeitsbereich im Innern sind dennoch grosszügig konzipiert, und die Auswahl ist beträchtlich. Auf der Fläche unter freiem Himmel befindet sich die Baumschule oder das, was von ihr übrig geblieben ist. «Seit wir den Gartenbau aufgegeben haben, hat sie an Bedeutung verloren», erklärt Rämi auf dem Rundgang. Ausserdem umfasst das Grundstück zwei Wohnhäuser und sogar ein Gehege für Schildkröten.

Seit vier Jahren gehört das Unternehmen ihr und ihrem Mann Martin Pullen. Gemeinsam entschieden sie sich für die Umbenennung in Gartencenter Fricktal. «Erst danach entdeckten wir auf alten Fotografien, dass es in den 1960er-Jahren schon einmal so geheissen hatte», erzählt sie und zeigt ein Schwarz-Weiss-Foto, auf dem der Schriftzug zu sehen ist. Damals war das Gartencenter noch flachdachig. Der Attika-Aufbau erfolgte später. Angefangen hatte auf dem Areal alles 1912, mit der Gärtnerei Otto Forster. Das weiss gestrichene Wohnhaus mit dem spitz zulaufenden Dach zeugt noch heute aus dieser Zeit. Produziert wird immer noch vor Ort: Rämi und ihr Team ziehen Kräuter, Gemüse und Sommerflor. Allerdings sei die Herkunft der Ware hier auf dem Land viel weniger ein Thema als in der Stadt Zürich, wo sie in der Vergangenheit auch auf dem Markt tätig waren.

Anspruchsvolle Übergänge

Nach Frick verschlug es das Paar eher zufällig. Nach einem Schicksalsschlag, den die vorgängige Gärtnerei Moser getroffen hatte, übernahm 2016 Blumen Kari das Gartencenter. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Brugg war von Claudia Rämis Vater Karl gegründet worden und wurde damals von ihr und ihrem Bruder geführt. Als Rämi 2016 hierherkam, betrat sie mit dem Blumengeschäft und der Gärtnerei daher ein vertrautes Umfeld. Dennoch seien die ersten Jahre herausfordernd gewesen, sagt sie. Die alten Strukturen hätten zuerst angepasst werden müssen, was bedeutete: Keine Abteilungsleiter mehr, sondern eine flache Hierarchie. Es war ein nervenzehrender Übergang und sollte nicht der letzte gewesen sein. Denn sechs Jahre später erfolgte die Abspaltung von Blumen Kari und die Gründung eines eigenständigen Unternehmens.


Das elfköpfige Team (v. l.): Martin Pullen, Jade Pullen, Lara Käser, Nadia Siegrist, Nathalie Herzog, Antonia Freiermuth, Claudia Hänni, Sandra John, Conny Hasler, Melanie Zumsteg und Claudia Rämi

Doch das Durchstehen dieser anspruchsvollen Zeiten scheint sich auszuzahlen. «Wir haben den Umsatz steigern können», sagt die 55-Jährige stolz. Dies trotz des Jumbos, der sich in rund 700 Metern Entfernung befindet. «Unser Gartencenter deckt andere Kundenbedürfnisse ab.» Längst kann sie auf ein gut eingespieltes Team aus mehreren langjährigen Mitarbeiterinnen zählen. Im Laden setzt sie bewusst auf Frauen. Dennoch nimmt der einzige Mann im Unternehmen, Martin Pullen, eine unentbehrliche Rolle ein. Der gebürtige Holländer und Lastwagenmechaniker arbeitet zu 60 Prozent in einer Garage. In der übrigen Zeit ist er im Gartencenter zuständig für sämtliche Instandsetzungsarbeiten in der Haustechnik und hilft aus, wo nötig. Kürzlich hat er die gesamte Deckenbeleuchtung im Arbeitsraum erneuert. «Wir könnten das nicht finanzieren, wenn wir alle diese Arbeiten extern vergeben müssten», sagt Rämi. Während des Gesprächs mit diesem Fachmagazin ist Pullen gerade mit etwas beschäftigt, und so steht statt ihm  die gemeinsame Tochter Jade zusammen mit der Mutter Rede und Antwort.

Geplanter Aufenthalt in Holland

Im Juni wird die 20-Jährige ihre Lehre als Floristin abschliessen. Zuerst hatte sie sich allerdings für einen ganz anderen Beruf, nämlich für Hochbauzeichnerin, entschieden. Doch die Bildschirmarbeit habe ihr, die mit Migräne zu kämpfen hat, gesundheitlich nicht gutgetan. Sie musste die Lehre abbrechen und fing zur Überbrückung an, im Gartencenter zu arbeiten …

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