Leseprobe

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Happiness
is calling

In Zürich schenken Sue Lobsiger und André Fässler mit ihrem Team verliebten Schülern genauso viel Aufmerksamkeit wie dem Sternekoch oder dem Golfplatzbetreiber. Und manchmal singen sie für ihre Kundschaft sogar «Happy Birthday». 

An einem stürmischen Nachmittag im Februar leuchten vor dem kleinen Coop beim Römerhof in Zürich die Primeli in allen Farben. Nur wenige Schritte die Quartierstrasse hoch ist es eine opulente Girlande über dem Eingang von «Flowers of Happiness», die die Stimmung aufhellt. Tritt man in das kleine Lokal ein, verfliegt der Winter ganz: Dank Vogelgezwitscher, einer bunten Blumenauslage, witzigen Accessoires, secondhand Möbelstücken und drei freundlichen Gesichtern. Mitinhaberin Sue Lobsiger, Floristin Chiara und Praktikantin Jasmin bereiten rote Gestecke vor; in zwei Tagen ist Valentinstag. Mit ihrem breiten Berndeutsch und einem Lächeln im Gesicht strahlt Lobsiger trotz des bevorstehenden Sturms Ruhe aus. «Es ist typisch für mich zu denken, dieser Termin geht dann schon noch», sagt sie und lacht. «Aber ein bisschen Stress hilft manchmal, um speditiv zu sein.» 

Alles hat seine Zeit

Ihre Kindheit habe sie in schöner und prägender Erinnerung, erzählt Lobsiger. Sie wuchs im Emmental in der Gärtnerei ihres Urgrossvaters auf: Von Blumen und Pflanzen umgeben und von fürsorglichen Floristinnen und Angestellten, die ihr den Ausschuss zum Sträusschenmachen überliessen. Das Originalschild der Gärtnerei Lobsiger-Schertenleib hängt heute im «Flowers of Happiness». In der Lehre zur Floristin fühlte sich Lobsiger kreativ eingeengt. «Ich hätte gern mehr ausprobiert.» Als ihr Vater früh stirbt und die Gärtnerei und der Blumenladen an ihren Onkel übergeht, macht sie sich 22-jährig mit einem Marktstand auf dem Berner Bärenplatz zum ersten Mal selbstständig. «Ich war schon damals alternativ unterwegs», sagt sie.

Es folgte ein eigenes Blumengeschäft in der Berner Altstadt, wo sie selbst angebaute Bio-Blumen und -Stauden verkaufte. Eine Tradition, die sie heute noch in ihrem Biogarten weiterführen. Den Traum der Selbstständigkeit gab sie vorerst wieder auf, als 1999 ihre Tochter zur Welt kam. «Zeit mit deinem Kind zu verbringen, das kannst du später nicht nachholen», habe sie sich gesagt. Sie bildete sich dann zur Arbeitsagogin weiter und arbeitete über zwölf Jahre bei verschiedenen Stiftungen; zehn Jahre davon bei einer anthroposophischen Institution bei Bern, wo sie half, die Floristikwerkstatt aufzubauen. «Wann immer ich nicht selbst mit Blumen arbeitete, fehlte mir etwas», so Lobsiger. Und vor rund drei Jahren regte sich in ihr nochmals der Wunsch nach etwas Eigenem.


Ein Feuerwerk der Farben – die Blumenauswahl kurz vor dem Valentinstag.

Ihr Lebenspartner André Fässler war mit an Bord. Der ehemalige Leiter des operativen Risikomanagements eines global tätigen Biotech-Unternehmens hinterfragt laut Lobsiger gerne Prozesse und vermeintliches Wissen. Er kümmert sich im «Flowers of Happiness» um die Website, die Administration und die Kundenakquise. Ausserdem habe er noch vor der Eröffnung eine integrierte ERP-Software-Lösung eingerichtet, welche es ihnen zum Beispiel erlaubt, vom Handy aus Rechnungen auszulösen und sämtliche Vorgänge zu überblicken. Zum Glück würden sie sich auch als Geschäftspartner gut ergänzen und verstehen.

Plötzlich ruft jemand aus England an

Als sich vor eineinhalb Jahren in Zürich die Übernahme des «Papageno» anbot, packten sie zu. Obschon der Name seit rund 40 Jahren in Zürich ein Begriff war, setzten sie auf einen Neuanfang. «Flowers of Happiness», passe besser zu ihrer Vision und Identität. «Wir stehen für das Glück, das Blumen bringen können. Angestellte wie Kunden sollen mit einem Lächeln begrüsst werden und das Ladenlokal glücklich verlassen», so Lobsiger.

Am Fuss des Zürichbergs gelegen, profitieren sie von einer der kaufkräftigsten Kundschaft Zürichs. Sie beliefern bereits einen Golfplatz, diverse Kliniken, Künstler, ein Fünfsternehotel und Gourmet-Restaurants. Egal, ob der verliebte Schüler, der eine einzelne Rose möchte, das Grosi  im Heim oder der Anrufer, für den der Preis keine Rolle spiele, sie alle sollten erleben, dass «Flowers of Happiness» für das Spezielle stehe – keine Primeli, sondern Handwerkskunst aus hochwertigem Werkstoff. Flexibilität sei dabei extrem wichtig. Je mehr Geld im Spiel sei, desto mehr werde erwartet, verständlicherweise …

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