Die sechste
Generation
Hertig Fleurs ist in Freiburg eine Institution mit einer Geschichte, die 1851 begann. Vor zwei Jahren hat Adrian Hertig, der Ur-Urenkel des Gründers, das Geschäft seiner Klein-Cousine Fabienne Bertschi übergeben.
Sie teilen die Leidenschaft für die Blumenbranche, für das Handwerk – und haben beide ein Flair für Zahlen. Bis sie anfingen zusammenzuarbeiten, brauchte es aber mehrere Anläufe. Als Fabienne Bertschi vor 20 Jahren bei Hertig Fleurs in Freiburg eine Schnupperlehre absolvierte, kommunizierte Adrian Hertig die verwandtschaftliche Beziehung (er ist der Cousin ihrer Mutter) intern nicht. Prompt wählte die Ausbildnerin jemand anderen – Fabienne sei als zu schüchtern erachtet worden. Ein Entscheid, der in der Familie, insbesondere bei der Mutter und Grossmutter von Bertschi, auf Unverständnis gestossen sei. «Ich bin heute dankbar dafür», sagt sie selbst. Wir sitzen zu dritt im Café des Arcades, vis-à-vis des Hauptgeschäfts an der Rue du Pont-Muré 24. Sie sei dadurch gezwungen gewesen, ihren Berufswunsch in einem anderen Betrieb zu verwirklichen und zu zeigen, was in ihr stecke. Adrian Hertig war froh um diesen Lauf der Dinge; er habe befürchtet, dass wegen der Verwandtschaft die Frage der Bevorzugung im Raum gestanden wäre.
Für den heute 61-Jährigen war es kein Thema gewesen, bei seinem Vater in die Lehre zu gehen. Überhaupt waren für ihn die Blumen streng genommen die zweite Wahl. «Ich träumte von einer Karriere als Sportlehrer oder Fotograf», erzählt er. Nach der Handelsschule lernte er in Bern im damaligen Traditionsgeschäft Blumen Erhardt das Handwerk des Floristen. Dieses betrieb er nach der Primaflor, der ehemaligen Berufsprüfung, intensiv. Sein Sportsgeist zeigte sich an der Teilnahme an floralen Wettkämpfen und der Tätigkeit als Experte und Chefexperte an den World Skills, die ihn unter anderem nach Südkorea und Japan führten.
Mehrere Absagen
1995 übernahm Hertig 30-jährig das Geschäft von seinem Vater und expandierte in den Nullerjahren neben dem Hauptgeschäft an der Rue du Pont-Muré mit Filialen beim Bahnhof und im Kantonsspital. Ausserdem war er in verschiedenen Kommissionen aktiv, seit 2005 ist er Mitglied des Verwaltungsrats der Fleurop-Interflora, inzwischen amtet er als deren Vizepräsident. Er habe damals an sechs Tagen gearbeitet und seine drei Söhne, die heute zwischen 35 und 39 Jahre alt sind, nicht viel gesehen. Vielleicht, sagt er beiläufig, sei seine Abwesenheit zuhause für seine Söhne auch ein abschreckendes Beispiel gewesen. Jedenfalls war es nie ein ernsthaftes Thema, dass einer von ihnen in seine Fusstapfen treten könnte – und der jüngste, vierte Sohn, ist mit 16 Jahren noch zu jung.

Dafür sah Adrian Hertig, wie sich Fabienne Bertschi machte – und erkannte in ihr seine potenzielle Nachfolgerin. Sie bringe punkto Charakter und Arbeitsdisziplin mit, was es für eine Selbstständigkeit brauche. Bevor Bertschi bei ihm vor neun Jahren anfing, kassierte er allerdings mehrere Absagen von ihr. «Ich sammelte noch Erfahrungen in anderen Betrieben. Es passte einfach nicht früher», sagt sie. Und sie habe im Hauptgeschäft tätig sein wollen, weshalb sie die Angebote für die Filialen am Bahnhof und im Spital ausschlug. Im Jahr ihres Eintritts ins Unternehmen folgte Filiale Nummer drei: In der Gemeinde Marly, die südlich an Freiburg anschliesst. Hertig bezog seine Verwandte in die Planung mit ein. Geradezu als Glücksfall erwies sich, dass Bertschi Marly bestens kannte, weil sie dort bei La Lucarne Fleurie ihre Ausbildung absolviert hatte. Ihr Lehrgeschäft war inzwischen in jüngere Hände übergegangen und Hertig sah die alte Abmachung mit dem vormaligen Inhaber, in Marly nicht aktiv zu werden, als obsolet an. Der Entscheid sollte sich bewähren. «Es lief von Anfang an sehr gut.» Nur die Fleurop sei damals kein Thema gewesen, weil bereits das andere Geschäft Partner war. «Da nützte mir auch mein Verwaltungsratsmandat nichts», sagt Hertig und lacht. Doch das sollte sich ändern …
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