Bereit für den
Ansturm
Seit zehn Jahren führt Agnes Röthlisberger das Traditionsgeschäft Wittwer Fleurs in Gstaad. Kurz vor Start der intensivsten Zeit im Jahr gibt sie Einblick in ihren Alltag.
Ein paar Gäste sitzen an der Sonne auf der Terrasse eines Cafés unweit des Bahnhofs. Auf der verkehrsfreien Fussgängerpromenade ist wenig los. Baulärm ertönt aus verschiedenen Richtungen, und vor dem Louis-Vuitton-Shop stehen zwei Sicherheitsleute. Vom Bahnhof Gstaad sind es bloss 400 Meter zum Blumengeschäft Wittwer Fleurs, aber bereits auf diesem kurzen Weg ist der Charakter des Ortes mit seinen herausgeputzten Chalets und dem weiter oben thronenden Luxushotel Gstaad Palace mit seinen Türmen augenscheinlich. Seit Jahrzehnten ist an diesem entlegenen Ort der internationale Jetset zu Gast, zahlreiche sehr Vermögende besitzen Immobilien – und leben teils praktisch ganzjährig hier. «Nur dank ihnen können wir ein so grosses Blumengeschäft betreiben», sagt Agnes Röthlisberger, Geschäftsfüherin von Wittwer Fleurs. Doch es gibt eine Schattenseite: Ein Immobilienmarkt mit Preisen, die sich Durchschnittsverdiener kaum leisten können. Aber mit etwas Glück und einem Kontaktnetz finden sich doch noch Gelegenheiten. Als Wittwer Fleurs vor ein paar Jahren eine neue Lokalität suchte, wurde das Geschäft in einer gut gelegenen Seitenstrasse fündig, natürlich in einem Haus im Chaletstil.
Ruhe vor dem Sturm
Besonders gross ist das Lokal an der Alten Lauenenstrasse nicht, wenn man bedenkt, dass im Betrieb in der Hochsaison 16 Per-sonen beschäftigt sind. Im benachbarten Saanen steht deshalb eine Ausweichmöglichkeit mit Lager zur Verfügung. Jetzt, Mitte November, sitzen Röthlisberger und ihre Stellvertreterin Nadja Oehrli entspannt am Küchentisch in der Wohnung im dritten Stock des Chalets, wo sich ein Personalraum, das Büro und das Lager befinden. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Denn von Dezember bis Ende Februar ist Hochsaison – und das bedeutet viel, viel Arbeit.

Die beiden Floristinnen haben in ihrer beruflichen Biografie einiges gemeinsam: Die Arbeit beziehungsweise die Lehre im Traditionsgeschäft Wittwer Fleurs, als es noch von einem der Wittwer-Brüder aus Thun geführt wurde, und die Tätigkeit als Geschäftsführerinnen bei Blumen Stricker, einem anderen Blumengeschäft mit Filialen in Saanen und Zweisimmen. Beide haben in anderen Betrieben, auch im Unterland, Erfahrungen gesammelt und waren für Sprachaufenthalte im Ausland. Denn nur mit Deutsch kämen sie nicht weit; in der Hochsaison wird im Geschäft hauptsächlich Englisch und Französisch gesprochen..
Neues ausprobieren
Als sich Agnes Röthlisberger vor zehn Jahren die Möglichkeit zur Geschäftsführung in Gstaad bot, sagte sie zu. Die 61-Jährige kommt ursprünglich aus Bern und machte zuerst eine Lehre als Gärtnerin, ehe sie in der Floristik ihre eigentliche Passion fand und eine Zweitlehre absolvierte. Mit Gstaad ist sie aus familiären Gründen seit Kindheit verbunden, war später hier als Skiakrobatin aktiv und lernte ihren Mann kennen. Der Floristik ist sie stets treu geblieben, auch als sie Mutter wurde. Oehrli hingegen hat sieben Jahre pausiert, als die Kinder kamen. Die 48-Jährige stammt aus der Umgebung und stiess 2018 zum Team …
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