Leseprobe

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Naturform

Bruno Matter verkaufte als begeisterter Naturalist haltbare Naturwerkstoffe wie Früchte, Samen Muscheln und Federn aus der ganzen Welt. Doch erst das Zusammenkommen mit der Gestalterin Cornelia Wittke löste den Geschäftsnamen vollständig ein: Natur und Form.

Die Szene erinnert  an einen guten, alten Western. Ein leerer Dorfplatz in der Blumenbörse in Wangen, Klubschul-Sheriff Thomas Spiess und ich im Gespräch. Da grüsst er plötzlich eine elegante Erscheinung, die sofort wieder diskret verschwindet. Auf meine Frage, wer das war, sagt er nur knapp: «Naturform». Ich konnte den Geheimtipp förmlich riechen.

Jäger des verlorenen Schatzes

Meine Spurensuche führte mich nach Grosswangen/LU zu einem unscheinbaren Flachdachbau abseits der Durchgangsstrasse. Nichtsahnend öffnete ich die Türe – und blickte in eine Schatzkammer! Links reihten sich randvolle Kisten mit exotischen Muscheln in allen Farben aneinander, rechts Tablare voller schimmernder Gefässe und Feder-Skulpturen. Geradeaus im Raum stand ein Podest mit einem Baum mit Vögeln in den Ästen, umgeben von Tieren, Hölzern, Früchten, Farnen und belegt mit einem Teppich aus Tannzapfen. Keine Musik, keine Bildschirme, keine Öffnungszeiten. Nur Ruhe, ein Paradies und das Ehepaar Matter.

Wäre Bruno Matter ein Filmheld, er wäre Harrison Ford. Der sympathische Oltener lernte vor langer Zeit Gärtner an der Gartenbauschule Oeschberg, bevor es ihn in die weite Welt hinauszog. Er bereiste Asien und Afrika und sammelte voller Begeisterung trockene Schätze von Mutter Natur ein. «Es gab nie einen Businessplan für mein Geschäft», erzählt er, «es gab immer nur einen Lebensplan. Es war mein Leben, mein Schicksal. Meine Trouvaillen definierte ich nie über den Preis, sondern über ihre Schönheit. Ich sammelte Pflanzen, Früchte, Samenstände und haltbares Trockenmaterial aus teilweise unberührt anmutenden Landschaften. Zurück in der Schweiz besuchte ich dann mit meiner neuen Ware und meinem alten Fiat Punto meine Floristinnen.» Während er erzählt, schweift mein Blick hinter ihn. Dorthin, wo der Showroom endet und sich deckenhohe Lagergestelle erheben. In die riesige Herzkammer von Naturform. 

Draussen hupt ein Auto. Crocodile Dundee, Matters australischer Freund und Lieferant, ist eben mit drei Wagenladungen Banksien- und Hakeazweigen angekommen. Aufgrund von Corona kann Bruno momentan nicht mehr reisen, doch dank seinem Netzwerk von Feldarbeitern und Exporteuren vor Ort finden die Schätze dennoch ihren Weg zu ihm nach Grosswangen. Und der Jäger ist vor Freude aufgeregt: «Dieses Material überhaupt zu bekommen ist ein Wunder! Ich musste einfach die ganze Lieferung kaufen.

Die zweite Hälfte

Cornelia Matter ist ganz seiner Meinung. «Es ist wichtig, dass wir unseren Kundinnen und Kunden exklusives Material anbieten können.» Sie muss es wissen – sie war die Geschäftsführerin der Blumenhalle in Zürich und zehn Jahre lang Kundin von Naturform. Die gebürtige Bayerin machte ihre Ausbildung in einer grossen Schaugärtnerei, die zwölf Floristinnen beschäftigte. «Ich hatte ganz gute Berufsbildnerinnen, die uns forderten und förderten. Genauso hielt ich es später auch mit meinen Lernenden. Obwohl ich bei ihnen dieses innere Feuer manchmal schon sehr vermisste.» Nach ihrer eigenen Weiterbildung zog es sie in die Ferne und ihr Weg führte sie nach Luzern…


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