Leseprobe

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Sir Q und der
Edelmann

Dies ist die Geschichte zweier unterschiedlicher Söhne,
einer glücklichen Fügung und eines gelösten Knotens.

Eine Panflöte erklingt unter den Lauben der Berner Marktgasse. Der Strassenmusiker steht beim Fueter-Haus, einem über 400-jährigen Patrizierbau mit blitzblanken Fensterläden und Lavendelstöcken hinter den goldverzierten Fenstergittern. Unter einem seiner drei Bögen führt eine steile Treppe in den ehemaligen Vorratsraum hinunter. Wo im Mittelalter Kartoffeln, gepökelte Hammelbeine und gedörrte Birnen lagerten, plätschert heute ein Marmorbrunnen. Die Luft ist schwer von der Feuchtigkeit der Blumen. Iggy Pop singt «I’m a passenger». Und inmitten des Kellergewölbes steht Cyril Bergmann, der 24-jährige Geschäftsführer von Blütenwerk Bergmann, Ziegenbart, das Hemd über der Hose, Turnschuhe. Dass er hier ist, hat er einem Inserat zu verdanken.

Blumen statt Tattoos

«Das Fueter-Haus sucht ein Blumengeschäft», hiess es 2019 in der Juni-Ausgabe des Florist. Die Anzeige hatte sechs Stockwerke weiter oben Urs Fueter verfasst. Der 59-jährige Illustrator und Autor verwaltet das stattliche Haus, seit es ihm als 23-Jähriger seine Mutter übergab. Der Vater war gestorben als er erst zweijährig war. «Ich fühle mich der Vergangenheit verpflichtet», sagt er im lauschigen Hof des Gebäudes zwischen zwei Zügen an seiner Zigarette – er spricht rasch, als ob er eigentlich schon wieder weg sein sollte, und bleibt dann doch, zündet noch eine Zigarette an und dann noch eine und erzählt. Wie er als einziger Nachkomme einer alten Berner Burgerfamilie plötzlich ganz auf sich selbst gestellt war, wie er lernen musste, Entscheidungen zu treffen, und sich gegen den Rückkauf des Fueter-Konfektionsgeschäfts entschied…..


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