Noch immer
voller Elan
Calonder Blumen gibt es seit bald hundert Jahren. Die heutige Inhaberin hat mit ihren Mitarbeiterinnen schon mehr als eine Krise gemeistert und freut sich auch nach Jahrzehnten noch jeden Morgen auf die Arbeit. Die Pause im Sommer muss allerdings sein.
«Ich bin nicht gut im Nichtstun», sagt Bettina Caprez-Calonder. Die Floristin mit den kurzen, braunen Haaren und dem wachen Blick ist bereits in dritter Generation Inhaberin von Calonder Blumen in Chur, dem Blumengeschäft der ehemaligen Gärtnerei Calonder. Dass sie immer in Bewegung ist, bestätigen gleich mehrere ihrer Mitarbeiterinnen:
«Sie ist sehr dynamisch», sagt die eine. Und eine andere:
«Sie springt und macht und holt, sobald es etwas braucht.» Die Floristinnen schneiden an diesem Dienstagmorgen im Dezember gerade alle Schnittblumen neu an – zurzeit stammen viele aus Italien –, wechseln das Wasser und bereiten Werkstücke vor für den Laden. Die Bestellungen haben sie bereits ausgeliefert.
Obwohl das Geschäft nur fünfzig Meter von der belebten Bahnhofstrasse entfernt liegt, verirre sich heute die Laufkundschaft nur noch sporadisch zu ihnen. Viele Läden seien aus der Gäuggelistrasse fortgezogen. «Umso wichtiger sind die Stamm- und Abokunden», sagt Caprez-Calonder. «Sie machen fast die Hälfte des Umsatzes aus und wir tragen entsprechend Sorge zu ihnen.» Viele bestellen telefonisch und lassen liefern; zum Teil ohne je einen Fuss ins Geschäft gesetzt zu haben. Andere schauen regelmässig vorbei, vom Nani bis zum Geschäftsmann. Rund einen Tag in der Woche wenden sie für den Hydropflanzenservice bei diversen Firmen auf. Während des Sommerhalbjahrs richten sie praktisch jedes Wochenende kleinere Hochzeiten aus. Grosse allerdings nur noch zwei bis drei Mal im Jahr. «Die Ansprüche der Brautpaare sind heute sehr hoch und am Schluss wird noch über den Preis verhandelt.» Bis zur Corona-Pandemie haben sie noch an Hochzeitsmessen für sich geworben. Das machen sie bewusst nicht mehr und die Nachfrage sei entsprechend zurückgegangen. Ausserdem sind sie seit 1948 Fleuroppartner. Die Aufträge würden sich heute jedoch in Grenzen halten, was ganz okay sei. «Die ständig neuen Zusatzprodukte machen es immer umständlicher.» Caprez-Calonder erinnert sich noch an den ersten Computer, der die Aufträge ausspuckte. «Heute spielen meine Enkelkinder damit», sagt sie und strahlt.
Die Werkstücke im grosszügigen Ladenlokal sind farblich aufeinander abgestimmt präsentiert. Caprez-Calonder kaufe bereits mit einem stimmigen Bild vor Augen ein. Die filigranen Gestaltungen zeugen zudem von viel Liebe zum Detail. «Ich weiss genau, wie ich etwas haben will», erzählt sie bei einem Kaffee. Und sie schätze es sehr, dass ihre Mitarbeiterinnen immer mitziehen würden.

Früher, als sie noch zehn Leute beschäftigt hatte, habe sie straffer führen müssen. Heute sei das Grundgerüst mit vielen langjährigen Mitarbeiterinnen stabil und die Neuen fügten sich fast von allein ein. Eine Mitarbeiterin der ersten Stunde ist Sabina Züger. «Sie ist schon seit 30 Jahren immer für mich da und eine wichtige Stütze.» Leider fehlt sie heute und ist deshalb nicht auf dem Gruppenbild. Auch Sabrina Reinhardt ist schon 20 Jahre im Team.
Starke Familienbande
Die 58-Jährige ist in Malans GR in der Gärtnerei ihrer Grosseltern und später ihrer Eltern aufgewachsen. Sie absolvierte die Lehre im elterlichen Betrieb und blieb. 2001 übernahm sie das Zepter des Blumenladens, und ihre Eltern konzentrierten sich auf die Gärtnerei. Während der Vorbereitung auf die Primoflor, wie die Berufsprüfung damals hiess, wurde sie schwanger und schloss diese deshalb nicht ab. Sie halte aber noch immer Kontakt zu damaligen Mitstudierenden. «Man sah sich jahrelang an den Grindelwalder Kursen mit Markus Helbling oder später bei Nicole von Boletzky.» Caprez-Calonder erinnert sich auch an die abenteuerlichen Tage, als sie mit Heidi Majoleth (damals noch Wehrli) die allerersten ÜK-Kurse bestritt. «Wir übernachteten mit den Jugendlichen in der Jugendherberge und mussten sie rund um die Uhr beaufsichtigen.» Die ÜKs überlässt sie heute den Jüngeren. Als QV-Expertin nimmt sie aber nach wie vor gern Prüfungen ab. «Ich mag es, die Jungen abzuholen, ihnen die Nervosität zu nehmen …
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